Microsoft macht im Sommer ernst: Schweizer Microsoft Cloud-Region mobilisiert den Markt.

Bald ist es soweit: MIcrosoft eröffnet sein Schweizer Datacenter und damit eine “Microsoft Cloud Region Switzerland” und garantiert damit hiesigen Kunden, dass Ihre Daten die Schweiz nicht verlassen. Das Interesse von Schweizer Kunden scheint gross und jüngst wurde bekannt, dass UBS von Beginn weg als Anker-Kunde dabei sein wird.

Microsoft versucht laut eigenen Aussagen mit dem Schweizer Datacenter die Schweizer Kunden-Erwartungen bezüglich Compliance, Data Residency und Performance (Latenz) zu erfüllen, weckt aber auch bei international Kunden Interesse mit dem Brand “Switzerland” und dessen Image als “Safe Heaven”. Das Business Potential einer Schweizer Cloud schätzt Microsoft gross ein. Die Schweizer Cloud wird entsprechend stark und schnell ausgebaut und dürfte das hiesige Geschäft mit der Wolke weiter anfeuern. Noch sind noch nicht alle Details bekannt und auch nicht ganz alle rechtlichen Fragen vollends ausgeräumt (z.B. die Auswirkungen des US Cloud Acts), aber das hält Microsoft Schweiz nicht davon ab, sich mit allen Mitteln auf einen Launch der Schweizer Microsoft Cloud für diesen Sommer vorzubereiten.

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Auch wenn einiges noch unklar oder unter NDA ist, eines scheint klar: Microsoft richtet in der Schweiz mit der richtig grossen Kelle an und investiert im dreistelligen Millionenbereich. Zwei unabhängige Datacenter in Zürich und Genf bilden dabei die Schweizer Microsoft Cloud. Zahlreiche Azure Services und die SaaS Service rund um Office 365 (incl. SharePoint Online) werden innerhalb weniger Monate zur Verfügung stehen und versprechen dank kleinerer Distanz und Latenz auch Verbesserungen in Performance und Verfügbarkeit. Alles in allem: Gute Aussichten für Microsoft Cloud Kunden und CYCL MatchPoint 365 Kunden!

Mit Marc Holitscher, dem NTO (National Technology Officer) der Schweizer Microsoft Niederlassung sprach Urs Wermelinger.

Marc Holitscher, National Technology Officer, Microsoft Schweiz.

Marc Holitscher, National Technology Officer, Microsoft Schweiz.

CYCL: Sehr geehrter Herr Holitscher, erlauben Sie zu Beginn eine persönliche Frage: Sie waren in den letzten 3-4 Jahren als unermüdlicher Advokat für die Microsoft Cloud in der Schweiz unterwegs - was bedeutet die bevorstehende Eröffnung des Schweizer Datacenters der Schweizer Microsoft Cloud für Sie persönlich und können Sie uns einen Einblick geben, wie sich die Diskussionen bezüglich der Public Cloud mit Politikern, Unternehmen und Regulatoren geändert hat?

Marc Holitscher: Ja, die Eröffnung des Schweizer Datacenter ist schon ein Ereignis für uns, das seine Spuren hinterlässt. Man muss dabei auch bedenken, dass dies ja nicht über Nacht passiert ist. Vorausgegangen sind sehr viele Gespräche mit Kunden und Regulatoren über Jahre hinweg. Dabei zeigte sich die Frage der Datenhaltung in der Schweiz als sehr dominant - einerseits rechtlich und regulatorisch, aber auch emotional. Umso aufregender ist es, dass wir nun ab diesem Jahre genau das anbieten können.

Die Gespräche zum Thema Cloud haben heute auch eine ganz andere Maturität als noch vor 3-4 Jahren und sind von der Tiefe der Themen nicht mehr vergleichbar. Heute stellt sich bezüglich Cloud nicht mehr die Frage “ob”, sondern eher die Frage “wie”. Das Schweizer Microsoft Datacenter sollte diese Entwicklung nochmals befeuern. Generell möchte ich festhalten, dass Schweizer Kunden sehr gut informiert sind, die richtigen und wichtigen Fragen stellen. Auch auf regulatorischer Ebene wie zum Beispiel mit der FINMA (Finanzmarkt-Aufsicht) sind die Gespräche sehr Lösungs-orientiert und faktenbasiert.

“Heute stellt sich bezüglich Cloud nicht mehr die Frage “ob”, sondern eher die Frage “wie”. Das Schweizer Microsoft Datacenter sollte diese Entwicklung nochmals befeuern.”

CYCL: Die Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) hat vor einigen Wochen einen “Leitfaden für sicheres Banking” publiziert - ein Novum für Cloud-Computing im Finanzbereich. Der Leitfaden nennt ohne Umschweife Public Cloud auch für die Finanz-Industrie als “Fakt” und beschreibt eingehend, wie Banken den Einsatz von Public-Clouds angehen und welche Fragen sie beantwortet sollen. Gleichzeitig gibt es aber wenig konkrete Antworten zum “wie” der Umsetzung. Was empfehlen Sie Kunden in regulierten Industrien oder auch darüber hinaus, wie Sie vorgehen sollen?

Marc Holitscher: Insbesondere Banken haben mittlerweile ein sehr gutes Verständnis darüber, was die gesetzlichen und regulatorischen Vorschriften sind. Da hilft der angesprochene Leitfaden der Bankiervereinigung sicherlich. Banken aber auch Unternehmen aus anderen Branchen haben aber oft auch interne Vorschriften und Weisungen, die manchmal noch strenger sind. Durch die intensiven Gespräche der letzten Jahre haben wir als Anbieter mittlerweile ein sehr gutes Verständnis, wie die Kunden-Anforderungen zu “übersetzen” sind in Architektur, aber auch in verbindliche Verträge und zu erfüllende Normen. Insbesondere unsere Zusammenarbeit mit der FINMA hat dazu geführt. dass wir unseren Kunden, ob nun Banken oder nicht, entsprechende Vetrags-Zusätze anbieten können, die zum Beispiel ein Auditrecht klar regeln.
Zudem haben die Big 4 der Beratungs-Unternehmen (KPGM, EY, PwC, Deloitte) aber auch andere Partner mittlerweile spezialisierte Angebote, was man im Einzelfall rechtlich und regulatorisch beachten muss und wie vorzugehen ist.

[Anmerkung: das Vertragswerk für Microsoft Cloud Service ist unter dem “Microsoft Online Services Service Level Agreement (SLA)” definiert und einsehbar.]

CYCL: Kunden werden mit der Verfügbarkeit des neuen Schweizer Datacenters sich als Aufenthaltsort ihrer Daten die Schweiz auswählen und garantieren lassen können. Microsoft gründet auch eine Schweizer Betriebsgesellschaft für das Datacenter hierzulande. Dennoch bleibt Microsoft eine amerikanische Firma und als solche dem “Cloud Act” unterworfen und kann so im heimischen Markt zur Herausgabe von Daten gezwungen werden. Was entgegnen Sie solchen Vorbehalten?

Marc Holitscher: Ich empfehle Kunden die Risiken, die vom Cloud Act ausgehen, in ihre Abwägungen mit ein zu beziehen, denn sie sind natürlich relevant. Microsoft bemüht sich sehr transparent zu sein welche Mechanismen dabei zur Anwendung kommen und welche Kontrollen installiert sind. Dabei sollte man aber die Risiken auch realistisch einschätzen. Es ist schon nicht so, dass irgend ein Richter in Iowa die Daten von Schweizer Firmen einfach so beschaffen kann. Diese Anfragen müssen sehr detailliert begründet sein. Strenge Vorschriften regeln zudem, dass es zwei zustimmende unabhängige Gerichte braucht, die die Notwendigkeit und Rechtmässigkeit des Requests bestätigen und eine entsprechende Verfügung ausstellen. Die jüngste Vergangenheit zeigt zudem, dass 95% der Anfragen Privatpersonen betreffen und diese müssen einen Bezug zu den USA aufweisen. In jüngster Zeit hat Microsoft keine Anfrage zu einem Unternehmen erhalten, das nicht in den USA beheimatet ist. Mit unserer Transparenz versuchen wir unseren Kunden zu helfen, eine fakten-basierte Risiko-Abwägung machen zu können.

“Das ein einzelner Richter irgendwo in Iowa sich dank dem Cloud Act einfach mal die Daten Europäischer Unternehmen anschauen kann…. vergiss es!”

[Anmerkung: Im CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) soll der zukünftige Zugriff von US-Behörden auf im Ausland liegen Daten geregelt werden. Er gibt US-Behörden das Recht, auch auf Daten auf EU-Servern zuzugreifen, solange der Besitzer US-Bürger ist, in den USA lebt oder es sich um eine in den USA registrierte Firma handelt. Im Gegensatz dazu erlaubt die jüngst in Kraft getretene DSVGO in Europa eine solche Datenweitergabe nur bei bestehenden Rechtshilfeabkommen. Im Juni 2019 beginnen Verhandlungen, die versuchen diese beiden Gesetze in Einklang zu bringen. Microsoft veröffentlicht auf der Website https://www.microsoft.com/de-de/trust-center umfassend über die Regelwerke und Anzahl der cases.]

CYCL: In einem jüngst veröffentlichen gemeinsamen Statement wurde bekannt, dass die UBS der “anchor-customer” der Schweizer Microsoft Cloud wird. Bei der Vorstellung der Schweizer Google Cloud war die Credit Suisse mit auf der Bühne. Beide Hyperscaler rühmen sich besonders für die regulatorisch anspruchsvollen Branchen wie Banken, Versicherungen und die Öffentliche Verwaltung geeignet zu sein. Was unterscheidet in Ihren Augen die Microsoft Lösung von Google?

Marc Holitscher: Für Microsoft spricht sicherlich die intensive Arbeit in den vergangenen vier Jahren mit den lokalen Regulatoren, die umfassende Transparenz und die verfügbaren Verträge und Vertrags-Zusätze, die auf die Bedürfnisse der hiesigen Branchen ausgerichtet sind. Wir haben in dem Bereich wohl einen Vorsprung. Dazu kommt, dass wir als einziger Hyperscaler Cloud-Anbieter klar sagen, dass wir keinerlei nachgelagerte Wertschöpfung basierend auf den Kundendaten in irgendeiner Form haben. Microsoft ist zudem in keinen zu seinen Kunden konkurrierenden Geschäftsfeldern tätig, wie Retail, Financial Service, Werbung oder ähnliche.

“Dazu kommt, dass wir als einziger Hyperscaler Cloud-Anbieter klar sagen, dass wir keinerlei nachgelagerte Wertschöpfung basierend auf den Kundendaten in irgendeiner Form haben. “

CYCL: Microsoft Schweiz ist stolz darauf, dass die hiesige Cloud-Repräsentation sehr schnell nach Launch mit weiteren Microsoft Cloud Services ausgebaut wird. Nach inoffiziellen Plänen sollen innerhalb weniger Monate die hauseigenen SaaS Services Office 365 und Dynamics 365, aber auch PaaS orientierte Services und “SAP on Azure” aus der Schweizer Cloud zur Verfügung stehen. Ist dieser Umstand dem Potential geschuldet, das Microsoft im Schweizer Markt sieht, oder auch im international Markt, die die Schweiz als “Safe Heaven” suchen?

Marc Holitscher: IaaS (Infrastructure as a Service) ist zweifellos nach wie vor einer der wichtigsten Cloud Bereiche - auch für Microsoft. Mit Office 365 und Dynamics 365 betreiben wir aber auch bald aus der Schweiz zwei der welweit verbreitesten SaaS Services. Und es ist schon so, dass mit zunehmender Maturität Kunden heute neue Anwendungen direkt als Cloud Service implementieren. Dieser Trend wird exponential an Schwung zunehmen und ist mit ein Grund, warum die Schweizer Microsoft Cloud praktisch von Anfang auf Iaas, aber auch SaaS und Paas ausgerichtet wird. Und ja, natürlich profitieren wir wie andere Businesses auch vom Ruf des Standorts Schweiz bezüglich Stabilität und Sicherheit.


[Anmerkung: Microsoft Cloud Kunden in der Schweiz, die nach dem Launch diesen Herbst zum Beispiel mit Office 365 live gehen, werden automatisch in der Schweizer Cloud aufgeschalten, respektive das was Microsoft “Core-Data/Content” wird in der Schweiz liegen. Bestehende Kunden können eine Transition verlangen - es wird aber keinen automatischen “Move” geben. Kunden erhalten nähere Information, wo im Moment Ihre Daten liegen und wie sie eine Verschiebung beantragen können unter dem Link: http://www.Aka.ms/move.


Microsoft Schweiz Logo: mit dem Schweizer Datacenter von Microsoft gibt es keine Entschuldigungen mehr Public Cloud nicht in Betracht zu ziehen.

Microsoft Schweiz Logo: mit dem Schweizer Datacenter von Microsoft gibt es keine Entschuldigungen mehr Public Cloud nicht in Betracht zu ziehen.

Mit Marc Holitscher sprach Urs Wermelinger, Chief Marketing Officer (CMO) and Head New Business CYCL AG.

CYCL hilft Unternehmen, die Möglichkeiten der Schweizer Microsoft Cloud bestmöglich zu nutzen. Unsere ausgewiesene Erfahrung in Azure AD / Azure B2C, Identity Relationship Management und SaaS Development hilft unseren Kunden Cloud-Strategien effektiv zu entwickeln und umzusetzen. www.cycl.ch

Kurz Bio: Marc Holitscher, National Technology Officer, Microsoft Schweiz

Marc Holitscher verantwortet seit dem 1. Oktober 2018 die Aufgabe des National Technology Officers. Als National Technology Officer und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Schweiz unterstützt Marc Holitscher ausgewählte Kunden bei der Umsetzung innovativer Geschäftsmodelle. Er verantwortet dazu das Technology Office von Microsoft Schweiz. Insbesondere arbeitet er eng mit Firmen der Finanzindustrie und begleitet diese in der ganzheitlichen Beurteilung relevanter Chancen und Risiken bei der Adoption von Cloud-basierten Szenarien. Zudem verantwortet Marc Holitscher die Positionierung strategischer Themen wie Cybersecurity oder künstliche Intelligenz bei Entscheidungsträgern im kommerziellen und öffentlichen Bereich. Zuvor war Holitscher über 3 Jahre als Chief Technology Officer bei Microsoft Schweiz tätig.

Marc Holitscher hat an der Universität Zürich im Bereich Internationale Beziehungen promoviert.